Dreizehn Jahre Flüchtlingslager

Rosalie ärgerte sich über den Hitlergruß. Sie war für die Kommunisten und von Anfang an gegen die Nazis gewesen. Das führte mitunter zu kuriosen Handlungen innerhalb der Familie. Es gab mal in ihrem Dorf zwei Aufmärsche an einem Tag. Vormittags kamen die Kommunisten, am späten Nachmittag die Nazis.
Am frühen Morgen setzte sich Rosalie an die Nähmaschine und nähte kleine Fähnchen für die Kommunisten. Anschließend saß ihr Bärchen an der Nähmaschine und nähte Fähnchen für die Nazis. Rosalie schickte ihre Kinder mit den Kommunisten-Fähnchen auf die Straße. Später mussten die Kinder mit den Nazi-Fähnchen hinausgehen.

Albert, ihr ältester Sohn war eine große Hilfe.
Gerade 21 Jahre alt, tut er alles, um die kleine Familie zusammen zu halten und zu beschützen. Er ist ein echtes Schlitzohr, macht gern Witze und findet immer einen Ausweg aus aussichtslosen Situationen. Gemeinsam mit seinen jüngeren Brüdern Oleg und Daniel, betteln sie um Nahrungsmittel. Einmal bringt Albert sogar ein Kaninchen mit und sie braten es über offenem Feuer. Dass das Kaninchen eine Katze war verschwieg er. Auch kümmern sich die Brüder darum, dass sie mitunter in Bauernhöfen oder leerstehenden Häusern übernachten können. Maria, die 18jährige Schwester, leidet besonders unter diesen  katastrophalen Ereignissen. Mitunter will sie nicht mehr weiter gehen, setzt sich an den Wegesrand in den Schnee und weint.

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