Romane

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Mord wäre eine Lösung

Auf einer Finca in Puig d’en Valls auf Ibiza leben fünf Frauen. Sie sind sich sehr ähnlich; schlank, von zierlichem Wuchs. In ihren ebenmäßigen Gesichtern faszinieren besonders die Augen – sprechende, wissende Augen. Sie beobachten sich argwöhnisch, begrüßen sich meist nur mit einem knappen "Hola".

Ein Brief von Fernandez, dem Eigentümer der Finca, zwingt die Frauen, obwohl sie viel zu verbergen haben, miteinander zu reden, ihre Geheimnisse preiszugeben, sich zu verbünden ...

Über die Finca legt sich eine undurchdringbare Glocke aus fast mystisch angehauchter Energie.

     Leseprobe "Mord wäre eine Lösung" »



... und Niemand kann sie zwingen


Prolog

Der Winter im Februar 1945 nahm keine Rücksicht auf die Menschen aus dem Osten, die Ende des Krieges aus Angst vor den Russen ihre Dörfer und Städte verließen. Viele schlossen sich den Flüchtlingstrecks Richtung Ostsee an und kämpften sich vorwärts trotz der unerträglichen Kälte von minus 20°/30°Grad bei Regen, Wind und Schneesturm. Oft wurde ihre Kleidung bis auf die Haut durchnässt.
Einige Menschen fanden Platz auf Leiterwagen, die von Pferden gezogen wurden. Andere gingen zu Fuß, schleppten ihre Koffer durch den Schnee oder zogen ihr Gepäck auf Bollerwagen mit sich. Die Leiterwagen waren oft überladen. Wenn die Pferde zusammenbrachen, mussten auch diese Karren von Menschen gezogen werden.
Am Wegesrand kauerten hie und da kraftlose alte und junge Menschen; ab und zu lagen kleine Bündel im Schnee, die in Decken gehüllt waren; verletzte Pferde, die sich mitunter noch bewegten bevor sie starben. Wer Kraft genug hatte, trottete weiter und weiter, Tag für Tag, Woche für Woche. Vielen half die vage Hoffnung, an der Ostseeküste auf eines der Flüchtlingsschiffe zu gelangen.
Von Pillau fuhren einige Schiffe nach Flensburg, einer kleinen Stadt an der Grenze zu Dänemark. Im Vergleich zu anderen Städten im deutschen Reich kam Flensburg bei den alliierten Luftangriffen glimpflich davon. Die Einwohnerzahl stieg durch den Zustrom der Ostflüchtlinge im Jahr 1944 bis Mitte 1945 von 68.000 auf über 110.000 an. Die meisten Einheimischen fühlten sich überfordert, beobachteten die Flüchtlinge skeptisch, viele schimpften: "Diese Polacken, die beklauen uns, stinken doch alle und haben Läuse; lassen sich vom Staat aushalten"

Städte, Dörfer und Straßen in Deutschland lagen in Schutt und Asche. Die Menschen krempelten ihre Ärmel hoch, besonders die Frauen. Brauchbare Reste der Ruinen wurden sortiert. Stein auf Stein entstanden bewohnbare Häuser.
Auch die durch den Krieg verwundeten Seelen der Menschen lagen in Schutt und Asche. Können Seelen narbenlos verheilen? Männer, die mit erleben mussten, wie ihre Kameraden zerfetzt wurden, deren Blut in ihre Gesichter spritzte; Kameraden, die sie nicht anständig begraben konnten …? Frauen, die vergewaltigt worden waren; die ihre Kinder, ihre Männer verloren hatten; die aus ihrem Heimatland flüchten mussten …?
… und wie wirkten sich diese kaum verdaubaren körperlichen und seelischen Verletzungen auf die Nachkommen der Flüchtlinge aus?

Es gibt zu viele Flüchtlinge, sagen die Menschen.
Es gibt zu wenig Menschen, sagen die Flüchtlinge.
Ernst Ferstl


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