Prosa


      Meeresraunen



"Warum verliebe ich mich in andere Männer?" Murmelte Sofia vor sich hin.
"Vielleicht ist Uwe einfach nicht der Richtige für dich." sagte Medi.
"Doch, doch, Uwe gibt mir Geborgenheit, ist treu, sehr vernünftig, intelligent
und …"
"Was und…", fragte Medi.
"Ich bin gern bei ihm und seinen Eltern zu Besuch. Seine Mutter kann fantastisch kochen … Mitunter spielen wir mit seinem Vater Skat. Ich fühle mich da zuhause." Sofia stutzte: "Bin ich vielleicht nur deswegen mit ihm zusammen?"
Medi zog die Augenbrauen hoch. "Wer weiß, kann schon sein. Es würde mich schon nachdenklich stimmen, wenn ich mich trotz einer so guten Beziehung in andere Männer verlieben kann. Dann stimmt etwas nicht."
Sofia griff in ihre Jackentasche, holte eine Handvoll Bernsteine heraus und warf sie nach und nach ins Wasser "Den Gedanken hatte ich auch schon." Glucksend nahm das Meer sie auf. Medi spielte mit. Lachend und übermütig versuchten die Beiden, die „Bernsteine“ so schnell und so weit wie möglich zu werfen. Das Meer antwortete mit platschenden Geräuschen – ja, werf sie weg … weg damit … werf ihn weg …

Sofia lauschte, nahm einen faustgroßen Kieselstein hoch, drehte ihn in den Händen, sah ihn sich von allen Seiten an. Mit ihrer ganzen Kraft schleuderte sie den Stein im hohen Bogen ins Wasser. "… und das, das war Uwe!" schrie sie so laut sie konnte. Medi sah sie erstaunt an, dann nahm auch sie einen Stein und warf ihn ins Meer. "… und das war Roland!" Johlte sie. "Du bist mir leider zu schüchtern!"

"ba, ba, ba, ba, ba, ba, bam" begann Medi zu singen,
und Sofa fiel sofort mit ein. Es war ihr Lieblingssong aus der Rockoper "Tommy".
I‘m free  -  I‘m free! And freedom tastes of reality.
I‘m free  -  I‘m free! And I‘m waiting for you to follow me.

Sofia genoss diese Spaziergänge an der Steilküste mit Medi. Das Meer hatte wie immer eine Antwort auf ihre Fragen.

ENDE


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