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Sofia lehnte
sich zurück und schloss kurz ihre Augen. "Die Sonne scheint! -
Hast du Lust auf Meer?"
"Bernsteine suchen?" Medis Mundwinkel rutschten aufwärts.
Beide prusteten los.
Es war jedes Mal das Gleiche. Während sie am Strand spazieren
gingen sammelten sie Bernsteine. Am Ende überprüften sie die
gesammelten Steine und kamen zu dem Schluss: "Das sind keine
Bernsteine" und warfen sie fröhlich wieder weg.
Sie fuhren mit Medis VW nach Holnis. Am Ende der Flensburger Förde
waren sie schon oft stundenlang spazieren gegangen. Der frische Wind
blies Sofia die Haare ins Gesicht. In ihrer Jackentasche fand sie ein
Haarband, mit dem sie schließlich ihre Haarpracht bändigte.
Sie atmete die würzige Luft tief ein, die nach Seetang, Muscheln
und vermodertem Holz roch.
Die Wellen der Ostsee ergossen sich rhythmisch mit leichtem Getöse
auf den Sandstrand. Möwen schrieen, zankten sich um Futter.
Ab und zu bückten sich Sofia und Medi nach Muscheln und -
zumindest bernsteinfarbenen - Steinen.
Sofia dachte an den gestrigen Abend zurück.
Wie Uwe ihr die Gabel aus der Hand nahm, zärtlich ihre Finger
küsste. "Mach die Augen zu. Ich habe eine Überraschung
für dich."
Und das Gefühl, als er ihr den Ring an den Finger steckte. "Und
jetzt du", sagte er noch und hielt ihr einen zweiten Ring entgegen.
"Du willst … Du meinst … wir verloben uns?" Der Gedanke an ihre
Verlegenheit ließ sie erneut erröten.
"Ja, wird auch langsam Zeit." hatte er geantwortet und sie auf den Mund
geküsst. Zärtliche Gefühle hatten ihren Körper
durchflutet. Endlich war sie mit Uwe verlobt.
Medi blickte sehnsüchtig in die unendliche Weite des
nordischblauen Himmels. "Ach, Roland, wenn du wüsstest …", seufzte
sie.
Sofia stupste Medi an. "Neulich habe ich ihn in der Turnhalle gesehen,
er spielt Volleyball."
"... und? Soll er doch."
"Na, ja, wenn du da mitspielen würdest …" schlug Sofia vor.
"Du meinst … ich sollte, nur wegen Roland … Volleyball … Mhm ..."
"Ja, Medi, Roland ist sehr schüchtern. Doch wenn ihr gemeinsam
Volleyball
spielt …"
"Ich könnte ihm in der Pause einen Schoko-Riegel anbieten oder ihn
mal anrempeln … oder … Mensch, Sofia, das könnte klappen", Medis
Augen strahlten.
Sofia freute sich für Medi. Jemanden kennen lernen, sich zu
verlieben, das war aufregend. Ließ Schmetterlinge im Bauch
tanzen. Im letzten Ski-Urlaub hatte Bernd, der Konstanzer, dieses
prickelnde Gefühl in ihr ausgelöst. Wie hatte sie sich nur,
obwohl sie schon so lange mit Uwe zusammen war, in ihn verlieben
können. Die Hütte, Feuer im Kamin, der Wein. Es war alles so
romantisch. Allein die Art und Weise, wie sinnlich er sein Weinglas mit
ihrem Glas zum Klingen brachte, das hatte sie mit Uwe noch nie erlebt.
Dann das Holzbett mit den bauschigen Federbetten, in denen sie
sich wie berauscht ihren Sinnen hingaben. Es war alles so
selbstverständlich.
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