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...und
das Meer weiß wie immer eine Antwort
Heute zeigte sich der April von seiner sonnigen Seite, sogar dem Wind -
und in Flensburg war es eigentlich immer windig – war wohl die Puste
ausgegangen. Sofia, die mit dem Bus auf dem Weg in die Innenstadt
war, schob ihren linken Jackenärmel etwas hoch, streckte
ihre Hand vor und blickte verstohlen auf den Ringfinger. –
Endlich! Fast 3 Jahre war sie nun mit Uwe zusammen, schon lange
träumte sie von einer Verlobung, hatte sich allerdings nie
getraut, darüber mit ihm zu reden. Sie hielt die Hand etwas
höher, der schmale goldene Ring blinkte im Sonnenlicht auf, das
durch das Bus-Fenster schien. Es vergoldete auch ihre blonden Haare,
die glatt über ihre schmalen Schultern hingen und ließ ihre
blauen Augen türkisfarben leuchten. Sie lächelte, nachher
würde Medi im Café Charlott treffen und
ihr den Ring zeigen. Medi war nur der Spitzname, eigentlich hieß
sie Madeleine. „Große Straße“ tönte es aus dem
Lautsprecher. Sie erhob sich, um auszusteigen.
Das Café war, wie so oft, fast bis auf den letzten Platz
besetzt. Medi saß auf einem Barhocker am Tresen, den linken
Ellenbogen auf die Platte gestützt, in der Hand ein Glas Cola.
Über ihrem weißen T-Shirt trug sie eine gehäkelte bunte
Weste, ihre kräftigen Beine waren nur bis zur Hälfte des
Oberschenkels von einem dunkelblauen Minirock bedeckt. Sofia ging auf
den Tresen zu, versuchte krampfhaft ihre linke Hand in der Jackentasche
zu verstecken.
"Komm, lass uns nach draußen gehen, mir ist es hier zu voll."
"Warum? Es hat mir viel Mühe gekostet, überhaupt diesen Platz
zu ergattern. Du rätst nie", gluckste Medi vor sich hin, "wen ich
hier entdeckt habe."
"Die Sonne scheint, es ist frühlingswarm", wagte Sofia
einzuwenden. "Vielleicht können wir den Kellner bitten, dass wir
einen kleinen Tisch nach draußen stellen."
Längst hatte sie Roland entdeckt, dessen dunkelblonde Locken bis
zur Schulter reichten. Sie hatten ihn auf der letzten Flur-Fete in der
Pädagogischen Hochschule kennen gelernt. Medi schwärmte nur
noch von ihm in letzter Zeit. Doch sie wollte mit Medi allein sein.
Keiner sollte mitbekommen, was sie ihr zu erzählen hatte.
"Bitte Medi, ich muss hier raus!" raunte sie ihr zu.
"Da, hast du es gesehen, er hat zu mir rübergeschaut. Setz dich
Sofia, wenigstens noch eine Cola, ja?"
Aus einer Cola wurden zwei. Medi nuckelte hingebungsvoll an ihrem
Strohhalm und beobachtete Roland. Jede Regung von ihm wurde kommentiert
und analysiert.
Sofia zog ihre Hand aus der Jackentasche. Natürlich war der Ring
noch an seinem Platz. Sie lächelte.
"Was er da wohl aufschreibt? Ob er ein Lyriker ist? Ich kann mir
das bei ihm gut vorstellen, er wirkt so sensibel, so künstlerisch.
Jetzt steht er auf ..." Medi stupste Sofia an, "er kommt
hierher ... Hallo, Roland, auch hier?" Roland nickte kurz zu Medi
rüber und verkrümelte sich in Richtung Ausgang.
"Was hältst du davon, wenn wir uns nach draußen setzen? -
Medi strahlte Sofia an. "Die Sonne scheint." - Endlich!
Nach einigem Zögern ließ der Kellner es zu, dass Medi und
Sofia einen kleinen Tisch und zwei Stühle nach draußen
trugen.
"Ich lade dich heute zu einem Eis ein", sagte Sofia, "such dir was
aus." Sie legte ihre linke Hand auf den Tisch. Die Unterhaltung
zwischen den Beiden verlief eher schleppend. Sofia war innerlich
angespannt, wartete darauf, dass Medi endlich den Ring entdeckte.
Da: "Aus welcher Wundertüte stammt der Ring?"
"Keine Wundertüte!" -
"Woher dann?"
"Uwe" Sofia lächelte.
"Was! - Uwe? - Ihr habt euch verlobt? - Und das erzählst du mir
erst jetzt!"
"Du warst beschäftigt mit Roland."
"... und die Feier? - lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen.
Nun red' schon."
Medi lag inzwischen mit dem halben Oberköper auf dem Tisch, um
jedes Wort mitzubekommen.
"Gestern Abend, er hat mich zum Chinesen eingeladen und irgendwann nahm
er meine Hand und steckte den Ring auf, einfach so. Ich weiß
nicht, irgendwie war es unromantisch. Ich bin mir nicht
mehr sicher ... Jetzt, wo ich es realisiere, kann ich mich kaum
darüber freuen. Fragen tauchen auf. War das nun alles? Kann ich es
wirklich ein Leben lang mit Uwe aushalten?" Gedankenverloren schaute
Sofia ihre Freundin an. Ihr gegenüber konnte sie ehrlich sein.
"Ach, du Schande, du hast Zweifel?" Medi, die nicht wusste, was
sie davon halten sollte, ergriff ihre Hand. "Mensch Sofia, ich will
mich da lieber nicht einmischen. Aber wenn du meine ehrliche Meinung
darüber wissen willst ... Solange du Zweifel hast ..."
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