Die Suche
nach dem kosmischen Gral

Leseproben:  Band1 | Band 2 | Band 3 | Band 4 | Band 5
Alle Bände:


Verlag Neue Dimension, 90765 Fürth
Autor: Parzzival
Cover-Illustration: Stefan Erdle
Lektorat und Covergestaltung: Gundula Lendt

Serie - die suche nach dem kosmischen Gral

Machtübernahme


… gefangen und festgefahren im eigenen Machtrausch, war es mir zu diesem Zeitpunkt absolut unmöglich, hinter die Kulissen dieses schrecklichen Spiels zu blicken, zu sehr wiegte ich mich in der Gewißheit, zum Wohle der Menschheit zu arbeiten …

Erste Auflage: ISBN: 978-3-89690-020-3

Im Banne Sodons

"Oh, Herr Jesus Christus, gedenke meiner in Deinem Königreich, gedenke meiner in den Tagen der letzten Finsternis, wenn Du gar heimlich und unerkannt kommen wirst wie ein Dieb in der Nacht, auf daß die Macht des Satans ein für allemal gebrochen werde und der Glanz Deiner Herrlichkeit das Erdenrund umstrahle. Amen!"

Ich beende mein letztes Abendgebet und lege mich in meiner Zelle zur Ruhe. Doch es gelingt mir nicht, all die wirren Gedanken zu vertreiben. Der nackte Stein, aus dem mein Nachtlager besteht, fühlt sich an diesem Abend ganz besonders hart und leblos an, als wenn er dadurch die Härte und Leblosigkeit meines Klosters, ja des ganzen Ordens aufzeigen will.
Seit nunmehr fünfzig Jahren lebe ich hinter diesen dicken Mauern, zuerst als Novize, später als einfacher Bettelmönch, in den letzten Jahren als Pater Gregorius, der sogar hie und da die Messe lesen darf. Doch in all den langen, zermürbenden Jahren der Selbstkasteiungen, der endlosen Gebete, der Erniedrigungen und der aufgezwungenen körperlichen Keuschheit ist es mir nicht gelungen, Christus zu finden. Ich habe nur zweierlei gefunden: Resignation und Verbitterung!
Mit welch jugendlichem Enthusiasmus habe ich mich damals in ein Leben voller Selbsthingabe an den Orden, voller Aufopferung für meine Nächsten und voller ehrlicher Gebete gestürzt!
Immer von der Sehnsucht getragen, die wahre Nachfolge Jesu Christi antreten zu dürfen, um einst in Sein Reich eingehen zu können.
Was ist jetzt aus mir geworden?
Ein trübseliger, verbrauchter Greis, dessen schlimmste Erkenntnis vielleicht ist, daß das Christentum eine einzige Lüge sein muß, ja, daß unter dem Deckmantel der Frömmigkeit und Gottesfurcht die schrecklichsten und blutrünstigsten Taten geschahen und noch geschehen.
Etwa zu meinem vierzigsten Geburtstag fand in unserem Kloster die erste Gerichtsverhandlung der heiligen Inquisition statt.

Ein Mädchen aus dem nahen Dorf, das mir als Heilerin bekannt war, wurde als Hexe verurteilt und zunächst in einen Keller des Klosters gesperrt. Damals glaubte ich sogar noch, daß all diejenigen, die sich mit dem Teufel verbündet hatten, tatsächlich zu töten seien, doch als in den nächsten Wochen mehrere Kellerräume der Abtei im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit mit den schrecklichsten Foltergeräten ausgestattet wurden, vermochte ich den Dingen keinen Sinn mehr abzugewinnen. Wie es mein Schicksal wollte, wurde ausgerechnet ich zum Zeugen der Folterungen dieses jungen Mädchens berufen, das zwischen unmenschlichen Schmerzensschreien immer wieder seine Unschuld beteuerte.
Das Mädchen starb damals unter den schrecklichsten Qualen. Vor meinen Augen!
Und in mir starb zu diesen Zeiten auch etwas.
Etwas, das man vielleicht vertrauenden Glauben nennen könnte, etwas, das man Unschuld nennen könnte … Hieß es nicht, 'Du sollst nicht töten'?
Hieß es nicht, 'Urteilt nicht, denn mit dem Maße, mit dem ihr meßt, werdet auch ihr gemessen werden'?
Verkündigte nicht unser Heiland 'Ich bin die Liebe'?
Durfte denn im Namen der Liebe so etwas Schreckliches geschehen?
Zumal - ich wage es kaum zu denken - ich im Laufe der Zeit bemerken mußte, daß die christlichen Folterknechte an den Quälereien all der verhörten Mädchen Lust empfunden hatten. Vergebt mir meine Offenheit, aber sie empfanden reinste leibliche Lust! Sie haben unseren Herrn Jesus mit ihrer tierischen Lust besudelt. Und ich habe es nicht verhindert.
Zwar habe ich einige Male vorsichtig bei unserem 'Gnädigen Abt' Sanktius angefragt, ob denn dies alles im rechten Sinne unserer Heiligen Mutter Kirche sei. Am Anfang wurde ich noch wohlwollend belehrt, auf hartnäckigere Fragen folgten jedoch deutlicher werdende Drohungen. Ja, ich wurde sogar gefragt, auf welcher Seite ich überhaupt stehen würde.
Sollte auch ich schon unter den Einfluß des Satans geraten sein? Diese Furcht um mein Leben und Seelenheil ließ mich verstummen. Also schwieg ich fortan zu den Greueltaten. "Oh Herr, vergib meiner armen Seele!"

Wieder bäumt sich alles in mir auf unter diesen üblen Erinnerungen an die Vergangenheit. Ich kann nicht schlafen, wie so oft, wenn diese Gedanken, bleichen Fingern gleich, in mein Gehirn eindringen, und ich richte mich - immer noch entsetzt - auf, versuche, die quälenden Inquisitionsszenen zu verdrängen, die Schreie der nackten, gefesselten Frauen, die durch die düsteren, blutverschmierten Gewölbe hallten, wo sie irgendwann ungehört verklungen waren.
Doch mir hatten sie sich eingebrannt, bis in die Tiefen meiner Seele. Und in diesen schauerlichen Bewußtseinstiefen waren die Namen der Getöteten und deren Schmerzensschreie unauslöschlich eingemeißelt.
Später war ich aus Altersgründen von dieser Arbeit befreit worden, doch die Erinnerungen blieben. Unerbittlich drängten sie Tag für Tag aus der Tiefe hervor und vergifteten meinen gequälten menschlichen Geist, der inzwischen zu schwach geworden war, um sie zu vertreiben, zu ungläubig, um sie dem zweifelhaften, finster wirkenden Gott zu übergeben, in dessen Namen wir die Welt von Hexen und Heiden zu befreien trachteten.

Ich weine. Und ich friere.
Es ist kalt geworden in der Zelle.

Im Mondlicht auf dem Steinbett sitzend, lasse ich nun meine Gedanken in die Zeit nach den Inquisitionsdiensten schweifen, als ich in den Archiven der Abtei arbeitete und dort so manchen politischen Meuchelmord verzeichnet fand.
Stand es nicht in den Kloster-Regeln, daß wir Mönche uns von allen weltlichen Machenschaften fernzuhalten hatten?
Diese Regel war anscheinend nie befolgt worden. Ganz im Gegenteil. Aus den Aufzeichnungen war genau ersichtlich, mit welch niederträchtiger Unverfrorenheit die Obrigkeit des Klosters jeweils denjenigen Landesfürsten unterstützt hatte, der dem Kloster am meisten gespendet hatte. Doch diese Dinge hatten mich nach all den Jahren bei der Inquisition kaum noch erschüttert.
Sie steuerten nur ihr Scherflein dazu bei, daß ich das letzte Quentchen Glauben, das ich noch besaß, auch verlor und innerlich ein hohler Stein wurde.
Äußerlich prahlte ich mit auswendig gelernten Gebetsformeln der früheren Mystiker, doch innerlich war die Welt für mich ein verlogenes Jammertal, das so in Intrigen und Bosheiten versponnen war, daß für den Einzelnen nur noch eine Chance bestand: Er mußte möglichst effektiv dieses üble Spiel mitspielen, um davon nicht ausgesogen und vernichtet zu werden.

Ich sitze immer noch auf der harten Steinpritsche und werde von der Verbitterung fast überwältigt. Gibt es denn keine Gerechtigkeit auf dieser Welt, wo doch in der Bibel von der Liebe zum Nächsten die Rede ist, von der gegenseitigen Achtung und vom Dienst am Mitmenschen?

Hat Jesus nicht gesagt Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!? Und wie sieht die Realität aus? Ist es der Sinn des Lebens, daß die Menschen sich gegenseitig niedermetzeln oder verleumden? Besteht dieses irdische Jammertal nur aus Schmerz und Lust, aus Raffen und Gieren? Ich glaube zu ersticken, springe auf und schreie: "Ist es das wirklich, was du willst, o Herr? Oh hätte ich nur Deine Macht, Herr, ich würde die Welt schon zum rechten verändern!"

Mit einem Mal geht ein leiser Windhauch durch die düstere Zelle. Was war das?
Hoffnung keimt auf. Sollte mir in meiner tiefsten Verzweiflung etwa gar eine Antwort zuteilwerden?
"Entweder es geschieht jetzt etwas - oder ich sterbe!"
Und das Unfaßbare geschieht!
Seit dreißig Jahren verbringe ich meine einsamen Stunden in dieser Zelle und noch nie ist mir die Treppe vor meinen Füßen aufgefallen. Sie ist einfach da. War sie das schon immer? Eine Treppe … eine Treppe mitten im Boden meiner Zelle, die in einen dunklen Schacht hinab führt. Ich wundere mich nicht … ich nehme das Wunder einfach an.

Zu allem bin ich nun entschlossen. Angst habe ich keine mehr. Es gibt für mich nichts zu verlieren. Der Tod wäre nur noch eine Erlösung. So zünde ich hastig eine Kerze an.
"Ein Geheimgang!" flüstere ich.
Mit fiebrigen Augen blicke ich zunächst auf den Gang hinaus, ob ein anderer Bruder mein Unterfangen stören könnte. Beruhigt, doch trotzdem mit pochendem Herzen steige ich die Stufen hinab.
Stickige Luft schlägt mir entgegen.
Der Kerzenschein beleuchtet eine schmale, steil abwärts führende Treppe, die in unergründliche Tiefen zu führen scheint. Seltsamer, schmieriger Belag bedeckt den Boden und klebt an den Wänden. Wohin führt diese Treppe nur? Dieser Teil des Klosters ist doch überhaupt nicht unterkellert …, und meine Zelle liegt ebenerdig …
Ich zögere kurz und will schon umkehren, um den Abt von der merkwürdigen Entdeckung zu informieren, da überkommt mich eine nahezu hypnotisch wirkende Eingebung: "Geh’ hinunter. Du bist alt. Dein Ende naht bald. Willst du deinem Schöpfer mit all dieser Verbitterung entgegentreten, die du in dir trägst? Du kennst doch deine quälenden und gequälten Gedanken. Geh hinunter.
Zaudere nicht an der Schwelle zur Erkenntnis."

Diese intensive Stimme gibt den eindeutigen Befehl: Steige hinab!
Mein Herz pocht wild, die kurze Beklemmung weicht einer neugierigen Versessenheit. Gibt es doch einen Gott? Wird mir in den Katakomben dort unten die Gestalt Christi begegnen? Gar im leuchtenden Auferstehungsleib?

Aufgeregt mache ich mich an den Abstieg, kann dabei kaum etwas erkennen im Schein der flackernden Kerze, taste mich, verzweifelt nach Halt suchend, mit der freien Hand durch den schmalen Abwärtsgang.
Die Treppe ist zu Ende.
Ich stehe in einer uralten, geheimnisvoll verzierten Halle. Langsam sehe ich mich um.
Verzierte Wände, Decke und Boden aus kaltem Fels. In der Mitte des Raumes ein massiger Altar. "Es liegt etwas darauf …" flüstere ich und trete näher.

Ein dunkles, ledergebundenes Buch liegt inmitten eines Sexagramms und starrt zu mir herüber.
"Das Buch lebt. Es sieht mich an …" führe ich mein Selbstgespräch weiter und höre den leichten Hall meiner Worte im Geheimgang. Ich fixiere das Buch, und wieder höre ich die Stimme in mir: "Komm, Gregorius, und lies!" Jetzt gibt es kein Zögern mehr.
Was immer auch geschehen soll, es sei! Ich greife nach dem Lederband …    






























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Serie - Der kosmische Gral

Der Jahrtausendplan 


"Nach der großen, verlorenen Schlacht um Ailons Seele tauchte Sodon in seine Urheimat ein, um sich den lichten Blicken Ailons vollständig zu entziehen.
Dorthin, wohin nicht einmal eines Menschen Vorstellung hineinreicht. Wie sagt man? Gedanken sind frei ...? Aber hier müssen selbst Gedanken erfrieren."

Erste Auflage: ISBN: 978-3-89690-021-0
Das Angebot

Der grüne Hüter erzählt:
"Nach der großen, verlorenen Schlacht um Ailons Seele tauchte Sodon in seine Urheimat ein, um sich den lichten Blicken Ailons vollständig zu entziehen.
Dorthin, wohin nicht einmal eines Menschen Vorstellung hineinreicht. Wie sagt man? Gedanken sind frei ...? Aber hier müssen selbst Gedanken erfrieren."
Der grüne Hüter schaut nachdenklich.
"Wie soll ich auch erklären, was nicht erklärbar ist? Doch ich will es versuchen. Hast du jemals etwas vom Nichts vernommen? Nein, ich meine nicht das Nichts der Taoisten oder Buddhisten, die Leere, die alles in sich enthält, das reine unmanifestierte Sein, aus dem alles hervorgegangen ist, was faßbar existiert.
Ich meine, da? alles Verneinende Nicht-Sein, dasjenige, das All-Es aus sich ausschließt, die vollkommene Unbewußtheit, die Anti-Schöpfung, das ist die Ur- Heimat Sodons."
Der grüne Hüter schweigt eine Weile.
"Ja, der Dunkelfürst hatte eine Schlacht verloren, jedoch nur die Schlacht um Ailon, dem es tatsächlich gelungen war, sich seines - Sodons - Einflusses zu entziehen. Doch der globale Krieg war so gut wie gewonnen! Überall in den Tiefen der menschlichen Existenz hatte er Resonanzpunkte gefunden, kleine Tore und Nischen, die sich ihm und seinen Versprechungen nur allzu bereitwillig geöffnet hatten. Den Zugang dazu hatte ihm eben dieses Nichts verschafft, allgegenwärtig die gesamte Schöpfung durchdringend, mit ihr untrennbar verwoben.
Denn überall, wo es Sein gibt und Bewußtheit existiert, dort weben Nicht-Sein und Un-Bewußtheit ihre dunklen Fäden der Anti-Schöpfung.
Am Anfang schuf das Göttliche das Licht und das Sein! Und nur wenig später betrat auch das finstere Nicht-Sein die kosmische Bühne, denn Licht und Dunkel, Leben und Tod sind im kosmischen Existenz-Verlauf dieses Äons untrennbar ineinander verwoben. Und so brachte auch das Nichts seine Geschöpfe der ewigen Verneinung aus sich hervor.
Nach Sodons Einschätzung dürfte es sich nur noch um eine sehr kurze Zeitspanne handeln, bis er aus dem Unbewußten an die Oberfläche der Existenz hervorbrechen könnte und alle Menschen absolute Sklaven seiner Zerstörungsmacht werden würden, deren destruktive Handlungen ihm und seinesgleichen die absolute Unsterblichkeit in dieser dreifach niederen - mentalen, emotionalen und physischen - Schöpfung bescheren würden. Der verhaßte göttliche Schöpfungsplan würde damit ein für allemal unterbunden sein.
Warum er das Göttliche derartig haßt, fragst du dich, o Sucher? Nun, Sodon, als Kind der Dunkelheit, kann in einer Welt des puren Lichts nicht existieren."
Der grüne Hüter hält kurz inne und haucht:
"Ich sollte besser sagen: er kann nicht mehr dort existieren ... Doch das ist ein anderes Thema."

Dann fährt das Grün schimmernde Wesen fort:
"Um lichtes Bewußtsein jeder Art zu vermeiden, ist er bestrebt, in den mentalen, emotionalen und physischen Welten der Menschen dunkle Stützpunkte zu errichten, indem er die dortigen Wesenheiten dazu animiert, finstere Energien auf seiner niedrigen Resonanz-Ebene zu verursachen, die ihn und seine Vasallen nähren würden.
Und so pervertiert er alles Denken, Handeln und Fühlen der Wesen in der Materie, im Bereich der Lebenskräfte und in den Mentalwelten, so gut er nur kann, auf daß dort die Regungen und Vorgänge schlecht werden."

Der Hüter schaut seinen Gegenüber an: "Was ist nun schlecht? Gibt es überhaupt etwas Schlechtes in einer ganzheitlichen Betrachtung der Schöpfung? Viele Religionen und Philosophien haben sich darüber ausgelassen. Ich will es in wenigen Sätzen darlegen. Alles, was zum Eigennutz gedacht, gefühlt und getan wird und nicht bewußt für das Göttliche vollbracht wird, ist schlecht, denn es führt das Individuum weg vom Licht, doch auf den Weg zur Illusion, Depression und Verzweiflung, letztendlich zur Selbstzerstörung, also auf den verborgenen Weg Sodons. Deswegen wird dieser finstere Geselle versuchen, jeden erhabenen Gedanken an das Göttliche zu zerstören.
Du kannst meine Worte in deinem eigenen Leben auf die Probe stellen, indem du das Gegenteil von Sodons Absichten praktizierst: Versuche alles, was du tust, gedanklich dem All-Einen hinzugeben, welche Vorstellung du auch immer von ihm hast. Ich versichere dir, spontane Freude, Liebe und innerer Friede werden sich in deinem Leben ausbreiten und Sodon muß sich zurückziehen, obwohl er natürlich zunächst versucht, diese Hingabe durch seine Lügen zu pervertieren.
Denkst und handelst du jedoch bewußt und in Liebe, vermag es Sodon nicht mehr, deine Gedanken zu zerstören oder zu entstellen."
Kurzes Schweigen.
Der Gegenüber des Hüters entgegnet nachdenklich: "Da wird einem ja himmelangst und bange! Wer schafft es schon, hier auf Erden alles dem All- Einen hinzugeben? Ich will deine erhabenen Worte nicht anzweifeln noch schmälern, aber nach deinen Ausführungen wären ja fast alle Menschen Schlechtdenker. Wenn ich nur meine eigenen Gedanken betrachte ..."

Der grüne Hüter antwortet nachsichtig: "Da hast du nicht ganz unrecht! Ich habe natürlich meine Ausführungen von einer hohen Warte aus gegeben. Laß uns doch einmal schrittweise vorgehen. Ein jeder Gedanke, den ein Mensch aussendet, hat eine Wirkung auf ihn und seine Umwelt. Dies ist ein energetisches Prinzip, das eure Physik sogar schon erkannt hat. Jede Zelle, ja sogar jedes Atom eures Körpers reagiert auf jeden eurer Gedanken, entweder in einer stärkenden, den Gesamtkörper erhaltenden und verjüngenden Weise oder in einer destruktiven, krankmachenden und alternden Weise. Probiere es aus.

Versuche einmal bewußt eine kurze Zeitlang nur an positive Dinge zu denken und betrachte dich dann im Spiegel. Das Ergebnis wird dich überraschen. Und dann betrachte dich noch einmal, wenn du wieder in deine üblichen selbstquälerischen, von Sodons Lügen triefenden Gedankenmuster verfällst, die dir einhämmern wollen, welch Versager du doch bist."
"Das ist ja alles gut und schön und mir theoretisch auch bekannt ..."

"Ja, von der Theorie her wissen es freilich viele, doch wer praktiziert diese geistige Disziplin schon in seinem täglichen Leben? Aber ..., um auf deinen Einwand zurückzukommen, es ist natürlich sehr schwer, alles dem Göttlichen hinzugeben. Doch wir müssen dort beginnen, wo wir stehen, das heißt, wo sich unsere momentane Bewußtseins-Entwicklung gerade befindet. Um zu dem obigen, positiven Ergebnis zu kommen, genügt es schon, die Dinge, die wir tun, in aufrechter Liebe zu tun. Egal, um welch profane Tätigkeit es sich gerade handeln mag, versuche, sie in Liebe auszuführen, das Bewußtsein auf das Hier und Jetzt ausgerichtet. Wir benötigen für diese Übung nicht unbedingt den Gottes-Begriff, wenn dieser dich im Moment überfordert. Um in den schöpferischen, tragenden Bewußtseins-Fluß zu gelangen, spielt es keine Rolle, welcher Religion wir angehören. Und ich versichere dir weiterhin: nicht nur deine Gesundheit und dein Wohlbefinden werden sich verbessern, sogar deine Umwelt und deine Lebensumstände werden sich zum Positiven wenden. Auch die menschliche Physik weiß, daß alles Existierende miteinander energetisch verbunden ist. Deine Umwelt ist also ein erweiterter Teil deiner eigenen Existenz und wird somit von jedem deiner Gedanken beeinflußt."

Fasziniert entgegnet der Suchende: "Somit bin ich ja für meine Umwelt und meine gesamte Lebens-Situation selbst verantwortlich ..."
"Richtig!" erwidert der Hüter erfreut seinem Gegenüber. "Genau das ist das Lebensprinzip. Anstatt zu jammern und zu klagen, sollten sich die Menschen besinnen und sich eine neue, schönere Welt erschaffen. Nirgends steht geschrieben, daß das Leid unbedingt existieren muß. Und ich versichere dir, der göttliche Plan basiert auf prickelnder Freude und strahlender Schönheit. Das Absolute wäre hocherfreut, würden die Menschen mit der Verwandlung ihrer selbsterschaffenen Leidens-Welt endlich beginnen.
Aber genau dies möchte Sodon natürlich durch all seine Pläne verhindern.   Die einzige Unsicherheit in Sodons Plänen war ja, wenn es Ailon gelänge, aus seiner neuen, zeitlosen Existenz-Ebene in die Zeit vor der Schaffung des Scribors zurückzukehren und dessen Entstehung durch Erweckung der menschlichen Herzen und Seelen unmöglich zu machen, dann könnte es zu ernsthaften Problemen kommen.
Und du weißt, daß dies tatsächlich geschehen ist.
Doch selbst diese Möglichkeit hatte Sodon in seinen Weltunterjochungs-Plan einkalkuliert.
So wird der nächste Schritt zur völligen Versklavung der Menschheit wohl darin bestehen, die Ur-Titanen der Erd-Tiefen, welche in den Grüften der Ausweglosigkeit ihren äonenlangen Schlummer schlafen, zu erwecken und sie auf die Erdoberfläche zu holen.
Diese Schreckenswesen, wahre Manifestationen der blinden Zerstörung und dadurch automatisch seine natürlichen Verbündeten, würden dann unter den Menschen derartige Aggressionen und irrsinnige Handlungen entfesseln, daß der dunkle Herrscher danach ein leichtes Spiel hätte, jedes mögliche Wirken der lichtvollen Kräfte ad absurdum zu führen.
Zu trostlos wäre wahrscheinlich das Leben auf der Erde nach Entfesselung der Titanen, als daß eine lichtvolle Energie noch irgendwo auf Resonanz und Entsprechung stoßen könnte.
Ja, der Plan der Finsternis erscheint aus dieser Sichtweise wahrlich unabänderlich!

Selbst die Titanen stellen nur einen Zwischen-Schritt zu etwas noch viel Ungeheuerlicherem dar, einem diabolischen Jahrtausend-Plan, geschmiedet vor Urzeiten, doch das wäre jetzt zu viel.
Ich sollte dir von all den Dingen auch nicht mehr im Konjunktiv berichten, denn Sodon bereitet sich momentan tatsächlich auf die Erweckung der Erd-Titanen vor, um seinen bald zu erwartenden Endsieg keinesfalls noch zu gefährden."

Gegenüber, entsetzt: "Wo soll das alles hinführen?"
Traurig antwortet der Hüter: "Zur Endlösung der Menschheits-Frage, wie er es nennt. Und sie steht für Sodon in absehbarer Zeit bevor."     


























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Serie - die suche nach dem kosmischen Gral
Das Magische Tor


Der dritte Band des Epos führt uns sowohl in die Tiefen von Sodons Höllen-Welten, wo dessen Magisches Tor zerstört werden muss, als auch in die Höhen des kosmischen Friedens-Tempels, worin der Hüter der Schwelle unserem Helden die Grals-Frage stellt.

Erste Auflage: ISBN: 978-3-89690-022-7
Aufbruch ins Ungewisse

Sodon:
"Höre meine Verteidigung, Meister, Mutter, Herrin, höre sie wohlwollend, denn ich bin gänzlich unschuldig an dem Geschehenen!
Ich wußte, wie sehr dir, o Urgrund des Nichtseins, an der Endlösung der Menschheits-Frage lag, daher traf ich alle Vorbereitungen, das Magische Tor selbst zu errichten. Mein Zorn über das Versagen meiner menschlichen Verbündeten war verraucht, und ich überlegte mir, wie ich diese durch die Menschen verursachten Fehlschläge nun persönlich in Siege verwandeln konnte. Die Fehlschläge jener verweichlichten und unbrauchbaren Menschen-Sklaven waren massiv gewesen, oh Gebieter! Da war das Mißlingen des fast schon sicheren atomaren Kriegsausbruches zu verzeichnen, da wurden die androidischen Doppelgänger wichtiger Persönlichkeiten der irdischen Politik mehr und mehr enttarnt.
Der größte Fehlschlag jedoch war leider die Wiedererstarrung der Erd-Titanen gewesen, die völlig überstürzt in die Grüfte der Ausweglosigkeit zurückgekehrt sind. Ich habe bisher leider keinen genauen Grund dafür feststellen können. Es scheint fast, als ob die Erde und ihre Bewohner meinem Wirken plötzlich unerwarteten Widerstand entgegenzubringen hätten. Sollten sie etwa verborgene Hilfe aus den Bereichen des hellen Widersachers erhalten haben? Ich weiß es nicht, Mutter der Nacht!
Doch es ist auch egal, denn wenn mein Plan erst in die Tat umgesetzt sein wird, ist in naher Zukunft ein für allemal Schluß mit den Einflüsterungen des hellversengenden Widersachers. Mir ist nicht verborgen geblieben, daß sich die Menschen den aus ihrem Unbewußten stammenden Befehlen umso mehr widersetzten, je mehr sie sich ihrem Herz-Bewußtsein nähern konnten, welches der Sitz des Widersachers im Menschen ist und dem auch der Scribor McGreg - trotz all seiner magischen Macht - nicht gewachsen sein wird.

Leider ist es also auch dem hellen Gegner gelungen, im Menschen selbst Fuß zu fassen. Aber während ich das dunkelste Unbewußte als Hort im Menschen gewählt habe, oh Herr des Nichtseins, von wo aus ich die meist triebgesteuerten Menschen recht gut zu lenken vermag, mußte sich der helle Widersacher mit jenem Herz zufrieden geben, das in vielen Menschen überhaupt noch nicht als greifbarer Wesensteil erweckt ist oder nicht mehr wirksam werden kann, wenn sich der betreffende Mensch allzu sehr den von mir gebotenen Vergnügungen an Machtrausch und Lustgewinn hingibt. Somit habe ich tatsächlich die besseren Karten, denn der Zugriff von den dunklen Triebwelten aus ist einfacher und sicherer, zumindest solange sich der zu Steuernde seinen Trieben und Lüsten hingibt.
Damit dies auch für immer so bleibt, habe ich nun beschlossen, den Plan Magisches Tor selbst auszuführen, und zwar in der Abgeschiedenheit der Schlünde des schwarzen Feuers, jenen wunderbaren Absolut-Manifestationen deines Friedens-Nichts. Ich werde sie unmittelbar vor den Symbolen des Herzens aufklaffen lassen.

Nicht mehr in irrealen Zwischen-Welten werde ich das Magische Tor errichten, wo Menschen noch hingelangen können, sondern im bodenlosen Abgrund des Nichts.
Auf fehlerhafte menschliche Verbündete wie jene politischen Fanatiker werde ich mich nicht mehr verlassen, nur noch auf meine eigene Kraft.
Ich als dein Statthalter für den Bereich des Planeten Erde, will die anstehende Endlösung der Menschenfrage ein für allemal zum Abschluß bringen, damit du wahrlich zufrieden mit mir sein kannst, meine hohe Gebieterin, mein Herr des schwarzen Urgrunds!"
Von Seiten der Schwarzen Sonne durchdrang nur ein kurzer, aber vehementer Impuls die Unendlichkeit: "Du weißt, was dich nach nochmaligem Versagen erwartet ..."

Kurz wurde Sodon von seinem Meister bzw. seiner Meisterin (was auf das Selbe hinauslief, denn in diesem Bereich gab es selbstredlich kein Geschlecht mehr) mit neuer, stärkender Schwarzaura durchflutet, dann berichtete er weiter ...

***

Wir wollen diesem Bericht aus Sodons rechtfertigender Sichtweise nicht weiter lauschen, sondern zunächst festhalten, daß der dunkle Fürst die Geschehnisse in Peters tiefer Traum-Vision als real betrachtete. Wahrscheinlich waren sie es auch, aus gewisser Sichtweise. Untersuchen wir nun, was sich weiter ereignete.

***

Majestätisch und entschlossen begab sich der große Asura alsbald in jenes geheimnisvolle, energetische Kabinett innerhalb seiner spitzzackigen schwarzen Burg, worin es nach menschlichem Ermessen ekelhaft nach Unrat und Verwesung stank und in welchem er einst auch die Erweckung der Erd-Titanen und den ersten Versuch der Manifestation des Magischen Tors vorbereitet hatte. Hier, in der Abgeschiedenheit seiner alles vereinnahmenden Perversion wollte er nun die energetischen Grundbedingungen für die dauerhafte Errichtung des Magischen Tors vorbereiten.
Sodon legte wieder einmal seine trügerisch-blendende Schönheit des Astrallichtes an den Tag. Sein markantes, nahezu adelig geschnittenes Gesicht war von jenem täuschenden Irr-Licht der Schattenreiche umgeben, als er in kaltschnäuzig-überheblicher Haltung vor seiner schwarzen Kristallkugel stand und mit seinen stechenden Augen die Bewegungen verschiedener Muster und Formen verfolgte.
An vielen Stellen blitzte und dampfte es. Überall lag ein düster-rotes Wabern in der Luft und zeugte von der Manifestation des unaussprechlich Bösen.
Ein sterbliches Wesen hätte nicht eine Sekunde diese höllische Atmosphäre ertragen
können ...
Da, ein besonders starker Blitz! Irisierende, stechende Farben aus der Kristallkugel. Sodon stieß einen Triumphschrei aus!

Die ideale Lösung war nun okkult vorbereitet: Die Schlünde des schwarzen Feuers hatten sich im archaischen Bewußtsein der Menschheit manifestiert, der ideale Nährboden, um an diesem Ort das Magische Tor bis in alle Ewigkeit errichten zu können!
Von hier aus konnte die herzzerstörende Perversion ungehindert direkt in jedes menschliche Bewußtsein eindringen, ohne daß der Einzelne überhaupt bemerkte, was mit ihm geschah. Von hier aus würde der Zugang zum Herzen perfekt zu verschließen sein.
Niemals würde ein Sterblicher dorthin gelangen können, um das Magische Tor zu beseitigen. Dieser Ort war nach seiner Einschätzung absolut sicher, da er sich im Kollektiv-Bewußtsein der gesamten Menschheit befand, dort, wo alle jemals erdachten und ausgeführten Übelkeiten sich zu markanten Symbolen des Destruktiven kondensiert hatten und gleichsam Ursprung und Ur-Symbol für alle weiteren Erscheinungen der Finsternis waren.
Ja, die in diesen Bewußtseins-Tiefen bald aufklaffenden Schlünde des schwarzen Feuers waren absolut vor dem Lichte des Gegners sicher, der sich niemals hierher wagen konnte, ohne sich augenblicklich im Nichtsein aufzulösen oder von den Flammen des Schwarzfeuers in den Ursprungsbereich der Schwarzen Sonne katapultiert zu werden.

Das Bemerkenswerte an dieser Örtlichkeit war die Tatsache, daß die Sperrung der Herzkräfte - was das Magische Tor darstellte - sogar unmittelbar vor dem Herz-Bewußtsein der Menschen wirksam wurde, wenn das Gebilde erst einmal hier in den Schlünden des schwarzen Feuers errichtet worden war.
Darin lag eben die Besonderheit einer archaischen Welt: Ihre Symbole waren doppelt wirksam, zum einen im planetaren Sinne, im globalen Kollektiv- Bewußtsein, zum anderen jedoch auch innerhalb jedes einzelnen Menschen, wenn sie dort auf Resonanz stießen.
Dies bedeutete, daß ein Sucher nach seinem Herzen in Zukunft vom Magischen Tor in die Höllenbereiche katapultiert werden würde, wenn er noch die allergeringsten menschlichen Schwächen in sich trug oder die allerkleinste Begierde in ihm nagte.
Für viele Menschen war es bereits eine entsetzliche Hölle, von der Wärme des eigenen Herzens abgeschnitten zu sein und nur noch in rationalen Sachzwängen leben zu müssen, in einem äußerlich orientierten Sumpf aus wirren Gedanken, Geltungsdrang und Konsumrausch.
Allerdings bemerkten die Menschen diese Hölle bereits nach kurzer Zeit nicht mehr. Sie gewöhnten sich erstaunlich rasch an die Abstumpfung, sie vermochten den Käfig der Enge ihres Kunst-Lebens nicht mehr zu verlassen, selbst wenn sich einmal eine offene Türe darbot.
Alles schien daher ganz einfach: Es mußte lediglich ein energetischer Aufriß- Trichter vom Schwarzfeuer zu den Herz-Symbolen geschaffen werden ... und die Dinge würden ihren geplanten Verlauf nehmen.
Durch das Aufeinanderprallen solch gegensätzlicher Energien würde das
Magische Tor als unwiderrufliche Sperre entstehen.
Sodons Triumph artete in grelles bösartiges Gelächter aus, das seine Dunkelburg erzittern ließ. Er wollte nun keine Zeit mehr verlieren. Zu viel Zeit hatte er schon durch die Unfähigkeit seiner menschlichen Verbündeten eingebüßt.
Er wollte sich umgehend aufmachen, um das Magische Tor unwiderruflich zu errichten. Schon in kurzer Zeit würde er seinem hohen Herrn vermelden können: die Endlösung der Menschheits-Frage ist nunmehr Geschichte!

***

Als Tom Anderson an diesem Morgen die Lokalzeitung aufschlug, wunderte er sich schon nicht mehr über die üblichen negativen Sensations-Meldungen und Effekthaschereien, die ihn jedes Mal in schlechte Stimmung brachten, wenn er sie nur überflog.
Tom war arbeitslos. Seit er mit seinen Eltern von England nach Deutschland gekommen war, wo der Vater einen interessanten wissenschaftlichen Auftrag erhalten hatte, war es mit seinem Leben immer mehr bergab gegangen, zumindest äußerlich. Er bewohnte ein enges, vom Sozialamt bezahltes Ein-Zimmer-Appartement in einer grauen Industriegegend von Nürnberg, wo tagaus tagein in der Nachbarschaft Maschinen stampften, die wiederum andere Maschinen herstellten. Als die Eltern nach England zurückgekehrt waren, blieb er in Franken. Eine Partnerschaft hatte ihn gehalten. Doch diese ging in die Brüche, kostete ihn seinen Job aufgrund von üblen Intrigen und sogar fast das Leben aufgrund eines Suizidversuchs.
Mitten in dieser Persönlichkeitskrise lernte er damals einen äußerst aufgeschlossenen evangelischen Pfarrer kennen, der in seiner Kirche ZEN-Meditationen praktizierte. Und dieser Pfarrer vermittelte ihm auf einfache Weise den ersten Kontakt zu seinem Innenleben, ließ ihn spüren, daß all die äußeren Widrigkeiten nur Schachzüge im großen Spiel des Lebens sind, einzig und allein dazu da, um daran reifen und wachsen zu können.
Seitdem hatte sich eine ständige subtile Freude um Toms ganzes Leben gelegt, trotz der Arbeitslosigkeit, trotz des offensichtlichen Fehlens einer Lebensaufgabe.
Unterbrochen wurde diese sanfte Lebensfreude eigentlich nur durch die ständigen Negativmeldungen in der Presse. Radio- und Fernsehgerät besaß Tom nicht, so war die Tageszeitung die einzige Informations-Quelle, die er jedoch nur abonniert hatte, um regelmäßig die Stellenangebote studieren zu können.
Am heutigen Tag war der Presse-Blick rasch beendet, denn es wurde nichts, rein gar nichts angeboten.
Als gelernter Feinmechaniker war es auch nicht einfach, eine einigermaßen passende Arbeit zu finden.
Nicht einmal als Hilfsarbeiter auf dem Bau war zurzeit ein Job zu bekommen, zumindest nicht für ihn, denn seiner schmächtigen, drahtigen Gestalt traute kein Vorarbeiter zu, ordentlich Steine schleppen zu können.
Außerdem waren nur noch Hilfskräfte aus osteuropäischen Ländern gefragt, die sich mit minimalem Stundenlohn zufrieden gaben.
Tom wollte die Zeitung gerade weglegen, da streifte sein Blick wie zufällig eine kleine, unscheinbare Anzeige, in welcher zu lesen stand:
Wer es noch wagt, das innere Abenteuer der Befreiung auf sich zu nehmen ...
"Na, wenn das nichts für mich ist ...?" rief Tom laut aus.
Ohne zu zögern nahm er ein Blatt Papier und schrieb einen Antwortbrief auf jene Chiffre-Anzeige.     






















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Serie - die Suche nach dem kosmischen Gral
Excaliburs Rückkehr

"Manchmal glaubt man, daß es nicht mehr schlimmer kommen kann, wenn Hoffnungslosigkeit und Todesangst zur puren Realität werden.
Doch wer den Pfad des Erwachens zu gehen wagt, der wird sich damit abfinden müssen, daß die lehrreichen finsteren Täler von Mal zu Mal dunkler werden ..."


Erste Auflage: ISBN: 978-3-89690-023-4
Spitzbergen

"… Wenn ich diese grandiose Natur betrachte, dann kann ich mir kaum vorstellen, daß es destruktive Kräfte auf dieser Welt gibt. Es ist so unglaublich harmonisch hier, so voller Schönheit ...
Ich schwieg lange, was sollte ich hier auch Sinnvolles antworten. Schließlich erwiderte ich leise: "Diese Natur kann sicher auch sehr destruktiv sein, zumindest für uns Menschen. Die Polarforscher und die Walfänger, die früher hier ihren Tätigkeiten nachgingen, müssen teilweise unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt gewesen sein, die von einem modernen Mitteleuropäer kaum zu überleben gewesen wären."
Wir schwiegen wieder eine Zeit lang, bis Lara sich erhob und mir ein Küßchen auf die Wange schmatzte: "Ich gehe mal als erste schlafen. Halte gut Wache, alter Wikinger." Und verschwand ins Zelt
Wir schliefen abwechselnd, einer hielt jeweils mit der Waffe die Eisbär-Wache und betrachtete in Meditation die faszinierenden Lichtspiele, die die wandernde Sonne mit sich brachte. Es wurde bitter kalt in der Nacht, weil die Sonne nur noch knapp über dem Horizont in dieser Jahreszeit, stand so daß der jeweils Wachende sich zwischen den meditativen Phasen bewegen mußte.
Am Morgen bereiteten wir ein kurzes Frühstück, dann brachen wir auf.
Es war unser Schicksalstag.
Gegen Mittag waren wir auf einer Hochebene angelangt, die nach allen Seiten ähnlich aussah. Das Meer war nirgends mehr zu sehen. Überall lagen Schnee-Flecken.
Eine unendliche hier fast trostlos wirkende Weite, doch durchsetzt mit Bergen, Tälern und Geröll.
Ich blickte etwas besorgt nach oben, da es sich ziemlich bewölkt hatte.
"Hoffentlich hält das Wetter, bis wir den Bogen zum Mimedal hinter uns haben. Von da aus geht’s dann rasch nach Pyramiden weiter."
Voller bester Laune erwiderte meine Frau: "Na, und wenn schon. Laß es ruhig mal stürmen oder regnen. Das gehört hier dazu. Gute Schutzkleidung haben wir ja dabei!"
Der Weg führte nun durch viel Geröll und kleine Schluchten, die umgangen oder durchwandert werden mußten, so daß wir eine Zeit lang nicht auf’s Wetter achteten und daher eine riesige Wolkenwand nicht bemerkten, die sich wie ein kriechender Bodennebel näherte.
Meter um Meter kämpften wir uns durch das leicht ansteigende Geröll, das hier nur gelegentlich mit ein paar Flechten und Steinbrech-Gewächsen durchsetzt war, dann wurde es schlagartig sehr düster.
Erschrocken blickten wir uns um und erkannten die gewaltige Nebelwand am Boden und die Wolkendecke in der Höhe, die von der südlichen Küste der Bucht her so rasch aufgezogen war, daß wir sie nicht bemerkt hatten, da wir jetzt in nordwestliche Richtung wanderten.
Es wehten in dieser Gegend der Welt ja ständig kräftige Brisen, so war der starke Rückenwind der letzten Stunde kein Warnzeichen gewesen.
Lara meinte besorgt: "Ist’s nicht besser, umzukehren?"
"Das wäre jetzt viel gefährlicher!" gab ich zurück. "Von der Küste her können Eisbären kommen, die wir nicht sehen, auch war der Pfad auf die Hochebene recht steil, während die Ebene in Richtung Mimedal sanft abfällt. Mit dem GPS kann eigentlich gar nichts passieren. Und für alle Fälle haben wir ja das Iridium-Telefon dabei."
Wie zur Bestätigung klopfte ich tätschelnd auf die schwarze Lederhülle, die an
meinem Hosengürtel hing.
"Laß uns jetzt den Schnellgang einlegen. Wohin ?"
"Da lang!"
Rasch setzte ich noch einen GPS-Wegpunkt, dann waren wir auch schon von dichtem Nebel umfangen, unfähig, weiter als fünf Meter zu blicken.      

































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Serie - Die Suche nach dem kosmischen Gral

Portal zum Kosmos


"Als wir in der Halle der Wahrheit standen, unfähig, unsere Aufmerksamkeit von der Faszination des sich aufbauenden Licht-Doms zu nehmen, wurde uns bewußt, daß der Moment nun gekommen war, auf den sich die Menschheit seit ihrer Entstehung zu entwickelt hatte ..."  

Erste Auflage: ISBN: 978-3-89690-024-1










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Jahreswechsel 299-300, Jerusalem

An jener hehren Örtlichkeit außerhalb der hochgebauten Stadt, wo vor drei Jahrhunderten die Tochter der Sonne eine Vision der Zukunft des Menschengeschlechtes vermittelt hatte, waren schon viele Gäste zur Feier der Jahrhundertwende zusammengekommen.
Mathematisch betrachtet wäre es korrekt gewesen, dieses Fest erst zum Jahreswechsel 300-301 zu begehen, doch man behielt die eingebürgerte emotionale Betrachtungsweise, das Jahrhundert sei zu Ende, sobald sich die Hunderter-Ziffer verändere.
Helena und Henoch Goldstein, ein deutschstämmiges Paar, das in den Randgebieten Jerusalems lebte, waren bei der Feier nicht anwesend, denn Helena stand kurz vor der Niederkunft, und ihr Mann wich nicht von ihrer Seite.
Er war Arzt, und wollte seine Frau bei einer Hausgeburt selbst versorgen. Etwa um 23.30 Uhr begannen die Wehen, kurz zuvor war die Fruchtblase bereits geplatzt.
Als Henoch warmes Wasser und frische Tücher, sowie ein steriles Messer zum Zerschneiden der Nabelschnur bereit legte, ereignete sich im Schlafzimmer der Goldsteins etwas Unglaubliches.
Direkt an der Zimmerdecke begann ein goldenes Licht zu erstrahlen, das rasch zu einer kleinen, hellen Sonne wuchs und das Zimmer in einen warmen Lichtschauer tauchte.
"Sieh nur..." staunte Helena, "das neue Leben kündigt sich als Herabkunft einer edlen Seele an."
Die Menschheit hatte sich in den letzten Jahrhunderten an solcherart wunderbare
Geschehnisse gewöhnt, so daß eine mystische Lichtflut kein allzu außergewöhnliches Ereignis mehr war. Besonders war das Wissen um die Wahrheit der menschlichen Geburt zum Allgemeingut geworden, so daß immer mehr Paare sich bemühten, eine Zeugung ohne Anwendung von Lust stattfinden zu lassen, wenn die von den Lys in die Menschheit eingebrachte Zeugung über das dritte Auge noch nicht funktionierte.
Das Kind der Goldsteins war noch auf die herkömmliche Weise gezeugt worden, doch war dies derart bewußt und voller Hingabe an die göttliche Anwesenheit im jeweiligen Partner geschehen, daß von der Annäherung einer wahrhaft reifen Seele ausgegangen werden konnte. Schließlich hatte Helena dieses Goldlicht bereits als Schimmer immer wieder um sich herum gespürt, als wenn diese spezielle Seele während der Schwangerschaft bereits über die Entwicklung ihres physischen Körpers gewacht hätte.
Rasch gingen die Wehen in den Geburtsvorgang über, Helena begann unter Stöhnen mit dem Pressen, wobei ihr Mann sie liebevoll unterstützte.
Schließlich - es war genau Mitternacht - kam das spärlich behaarte Köpfchen eines strohblonden Mädchens zum Vorschein, und kurz darauf der ganze Körper.
Henoch, vor väterlichem Stolz fast platzend, nahm seine Tochter in Empfang, reinigte sie kurz, wobei sie zu atmen begann, dann legte er sie seiner glücklichen Frau auf die Brust und sagte:
"Ein gesundes Mädchen, geboren genau zur Jahrhundertwende. Es scheint mir, sie wird eine Wende einleiten müssen in ihrem Leben, wenn es denn ein Omen ist."
"Täglich geschehen Wandlungen und Wenden in diesen wunderbaren Zeiten, das
paßt ja dann genau!" antwortete Helena, wobei sie ihr Töchterlein zärtlich streichelte und versuchte, ihr schon eine Brustwarze zum Saugen anzubieten.
"Sei mal still, Helena, hörst du das auch?" hauchte Henoch plötzlich.
Und tatsächlich schien es, als wenn aus dem immer noch vorhandenen golden strahlenden Licht aus der Decke eine sanfte Stimme flüstern würde: "Nennt mich bitte Lararga, so helft ihr mir, zu meiner Bestimmung zu finden."
"Aber Lararga ist kein hebräischer Name ..." flüsterte Helena, die trotz aller Weltoffenheit sehr traditionsbewußt lebte und sich bereits einen kabbalistisch passenden Namen für das Töchterlein zurechtgelegt hatte.
Und tatsächlich antwortete die warme Stimme: "Dennoch magst du mich so nennen, denn die Tochter Zions muß sich bald mit dem Sohne Thules vereinen, und aus dieser Vereinigung muß eine bestimmte Synchronizität erwachsen, die nicht nur für die Erde, sondern gar für den gesamten Kosmos ein bedeutsames Ereignis initiieren wird ..."
Fragend sahen sich die frischgebackenen Eltern in die Augen, doch keiner dachte daran, diesen seltsamen Wunsch nicht zu erfüllen, obwohl die Bedeutung der geheimnisvollen Aussage sich den Eltern nicht eröffnete.
Das Wort Zion hatte im heutigen Sprachgebrauch der jüdischen Kultur keine Schwingung des früheren politischen Zionismus mehr, sondern strahlte die edle Höhe der göttlichen Allmacht aus.
Was mochte jedoch Vereinigung mit Thule bedeuten?
Thule, das ursprüngliche heilige Zentrum des germanisch-keltischen Nordreichs hatte ebenfalls nur noch eine mythologische Bedeutung im Sinne von geistiges Licht-Zentrum. Und vereinen brauchte man heutzutage auf der Erde nichts mehr. Die Völker und Menschen des Planeten waren geeint.
Es gab kaum mehr wirklich Trennendes unter ihnen, denn die alten Feindschaften und Rivalitäten zwischen Völkern und Kulturen gehörten einer finsteren Vergangenheit an. Und über solch künstlich aufgebaute Feindschaften wie zwischen der deutschen und jüdischen Bevölkerung Europas zu Zeiten des Dritten Reiches konnte man sich heute nur noch wundern.
Bei allem Wiederaufblühen der einzelnen irdischen Kulturen aus dem einst zwangsweise auferlegten Gleichschaltungs-Einheitsbrei, waren die Völker der Erde so innig miteinander verschmolzen, daß eine echte Einheit in der Vielfalt entstanden war. Keine Egoismen der Vergangenheit gab es mehr, längst nicht mehr, sondern eine umfassende, bedingungslose Bereitschaft zum gegenseitigen voneinander lernen.
"Nun ja, wir werden die Bedeutung dieses empfangenen Geburts-Psalms wohl im Laufe von Larargas Leben erfahren," schmunzelte Henoch und trennte jetzt erst die Nabelschnur seiner Tochter.


Jahreswechsel 299-300, Helgeland, Nordnorwegen
Erik war ein Hüne von einem Mann.
Auf den ersten Blick konnte man ihn für einen der historischen Wikinger halten, die vor vielen Jahrhunderten in Norwegen lebten. Rothaarig, dichter, dunkelroter Bartwuchs, strahlend blaue Augen, so leuchtend wie ein Saphir in der Morgensonne, fast zwei Meter Körpergröße und überaus muskulös, denn er stählte seinen Körper durch intensives Training, so oft es ihm möglich war.
Dieser Hüne hielt seinen gerade geborenen Sohn mit einem freudevollen Lachen in die Höhe. Voller Liebe blickte er dem kleinen Wesen ins Gesicht, das seine Augen noch geschlossen hatte und rief:
"Welch ein Wunder! Genau um Mitternacht zum Jahrhundertwechsel erblickte er das Licht dieser Erde."


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