Kristallener Regen

... und Maria Callas sang

Am Freitag Nachmittag schien die Sonne in das Wohnzimmer, ihre Strahlen brachen sich in einer Kristallkugel und tanzten farbenfroh an den Wänden, in den Regalen, auf dem Fußboden. Ich legte eine CD auf (Maria Callas) und hockte mich in den Lichtertanz, sah aus dem Fenster.

Kristallkugel
Starker Wind fuhr durch die Äste eines Tannenbaumes auf der gegenüber liegenden Seite der Straße. An den Tannennadeln hingen Regentropfen, die in der Sonne glitzerten und mit dem Feuer der Kristallkugel wetteiferten.

Es sah aus, als ob der Baum über und über mit silbernem Lametta behangen war. Die Äste bewegten sich im Rhythmus der Musik, dirigierten den facettenreichen warmen Sopran der Callas.

Ich nahm die Musik und den Anblick der faszinierenden Erscheinungen mit dem Körper wahr. Meine Hände gruben sich in den weichen Flor des Teppichs, die Augenlider senkten sich.



Eine Wolke schob sich vor die Sonne, der Wind ließ nach. Das Telefon klingelte. Langsam erhob ich mich, sah auf das Display - schon wieder mein Ex. Wann lässt er mich endlich in Ruhe!
Mein Blutdruck stieg auf 180, das Herz klopfte laut. - Irgendwann hörte das Klingeln auf.

Maria Callas sang immer noch. Ich setzte mich wieder auf den Fußboden, doch mein Körper konnte sich nicht entspannen, die Speiseröhre krampfte. Das Spiel der Sonnenstrahlen mit regennassen Bäumen und der Kristallkugel begann erneut. Angenehme Bilder und Situationen - noch unscharf - entwickelten sich - die letzten Wochen - eine neue Liebe...

Dein liebes Gesicht tauchte vor mir auf, der rechte Mundwinkel etwas nach unten gezogen. "Meine kleine Fee" - so hat mich nie jemand genannt. Meine Zunge erinnerte sich an deine Zunge, den Geschmack von Schokoladentrüffeln. Heitere Gelassenheit erfasste mich.

ENDE

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